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Ist Yoga eine Frau?

Kaum jemand, der mit Yoga beginnt, weiß, dass Yoga ursprünglich ausschließlich von Männern eigens für Männer entwickelt wurde. Frauen hatten bis zum frühen 20. Jahrhundert keinen Zugang zu dieser wunderbaren Praxis. Obwohl dies kein Geheimnis ist, überrascht diese Realität den einen oder anderen, der sich bisher nicht für die Ursprünge des Yoga interessiert hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es heute überwiegend Frauen sind, die die Yogastudios bis zum Rand füllen.


Wie kam es zu diesem Wandel? - Die erste Frau in der Yoga Welt.


Die Wurzeln des Yoga reichen bis ins 1000 Jahre vor Christus zurück. Die Praxis sah natürlich ziemlich anders als heute aus. Doch selbst damals war sie nur wenigen vorbehalten - den Männern der oberen Kaste, den Brahmans. Der körperliche Aspekt des Yoga, bekannt als Hatha Yoga, trat erst relativ spät auf, zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert. Einer der "Ur-Väter" des modernen Yoga ist T. Krishnamacharya, der an der Wende zum 20. Jahrhundert lebte. Es waren seine Schüler, die Yoga außerhalb Indiens bekannt machten:

  • Pattabhi Jois entwickelte Ashtanga Yoga, das als Grundlage für alle dynamischen Yogaformen gilt.

  • B.K.S. Iyengar entwickelte seinen eigenen Stil unter eigenem Namen: Iyengar, der für präzise körperliche Ausrichtung bekannt ist.

  • T.K.V. Desikachar, der Sohn von Krishnamacharya, entwickelte eine sanfte therapeutische Form des Yoga.

Einen besonderen Platz unter den Schülern von Krishnamacharya nahm jedoch eine Frau ein. Es war Indra Devi, geborene Eugenie Peterson, eine schwedisch-russische Powerfrau. Sie war die erste Frau in der Geschichte, die Yoga praktizieren und weitergeben dürfte. Trotz ihrer adeligen Herkunft war ihr Weg zur ersten weiblichen Yogalehrerin nicht einfach. Krishnamacharya hatte bislang ausschließlich männliche Schüler aus Indien unterrichtet und sträubte sich zunächst dagegen, Indra Devi auszubilden. Nur durch ihre Beziehungen zu diplomatischen Kreisen und letztendlich durch die Fürsprache des Maharadschas selbst, auf dessen Unterstützung Krishnamacharya angewiesen war, durfte sie seine Shala betreten. Es waren die 30 Jahren des 20. Jahrhundert, die Blütezeit der Filmindustrie. Mit ihrem Wissen und Können ging sie nach Amerika. Dort machte sie mit der Unterstützung von prominenten Hollywood-Stars wie Greta Garbo und Marilyn Monroe Yoga populär. Eine wahre Yoga-Rebellin!


Yoga heute: Was hat sich für Frauen verändert, was bleibt noch zu tun?


In der heutigen Zeit sind Frauen in der Yoga-Landschaft nicht wegzudenken.

Und dennoch wird Yoga immer noch von Männern dominiert. Es ist erstaunlich, wie sich das öffentliche Bewusstsein in den letzten zehn Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter entwickelt hat, und doch gibt es immer noch eine Art unsichtbare Grenze in der Yoga-Welt. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht.


Nach meiner Beobachtung, sind es immer noch vor allem Männer, die die Mehrheit der Yogastudios eröffnen und neue Richtungen und Methoden entwickeln. Ich bezweifle aber stark, dass dies bedeutet, dass Frauen weniger zu Yoga beizutragen haben. Viel wahrscheinlicher liegt das wohl an einer immer noch patriarchalischen Interpretation der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die großen Namen, die mit dem mittlerweile negativ besetzten Begriff "Guru" assoziiert werden, ebenfalls hauptsächlich den Männern gehören. (Über die größten Yoga-Welt-Skandale wurde schon viel geschrieben. In diesem Blog werde ich später meine persönlichen Erfahrungen hierzu erwähnen. Zunächst möchte ich aber den Fokus auf das richten, was meine eigene Weiterentwicklung ermöglicht hat.)


Hier und dort werden immer noch alte Mythen über den weiblichen Körper verbreitet, insbesondere in Bezug auf die Menstruation, Schwangerschaft oder die Wechseljahre. Es ist kein Geheimnis, dass die alten Yogis kein umfassendes anatomisches Wissen hatten und sich hauptsächlich auf den männlichen Körper konzentrierten. Doch wir leben im 21. Jahrhundert, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse können nicht einfach ignoriert werden, um weiterhin an den alten und längst überholten Lehren festzuhalten. Auch, weil es hauptsächlich Frauen sind, die Yoga praktizieren.


Yoga ist nicht nur eine Frau - Yoga ist feministisch!


Zunehmend hat es sich die Yoga-Welt zur Aufgabe gemacht, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, seine individuelle Identität in einem geschützten Raum auszudrücken.

Umso ermutigender ist es für mich, eine weiße cis Frau in ihren 50ern, zu sehen, wie talentierte, starke Frauen und LGBTQ+ Personen zunehmend die Entwicklung von Yoga prägen und ihre eigene Stimme erheben.


Indem wir gemeinsam auf der Matte stehen und unsere Erfahrungen teilen, haben wir die Möglichkeit, die Grenzen des Yoga zu erweitern - ja, auch Yoga hat Grenzen! - und eine integrativere und gerechtere Praxis zu schaffen, ohne dabei zu vergessen, dass wir bei all dieser Verehrung der Individualität eine Gemeinschaft schaffen.


In meinen kommenden Artikeln werde ich unter anderem meine Erfahrungen mit den Frauen und LGBTQ+ Lehrer:innen im Yoga mit Euch teilen; wie ich durch sie inspiriert wurde und was ich von ihnen gelernt habe.


Wenn Du mehr zu diesem Thema und zu anderen gesellschaftspolitischen Inhalten lesen möchtest, empfehle ich Dir den Instagram-Kanal: yoga ist politisch. Dieser Kanal beschäftigt sich mit Themen, wie Kulturelle Aneigung, Ableismus und Bodyshaming, White Supremacy, Rassismus und Leistungsdruck in der kapitalistischen Gesellschaft!


Außerdem empfehle ich Dir dringend die TAZ oder Margarete Stokowski. ;-)


Wenn Du mich persönlich zu einer privaten Yogasitzung treffen möchtest, kontaktiere mich über das Formular. Schreibe mir kurz über Dein Anliegen und mache ein oder zwei Terminvorschläge. Gerne schreibe Dir zurück und lade Dich ein, Dich mit mir auf der Matte zu treffen!






1 comentario


M. Wend
M. Wend
06 ene

Danke für diesen interessanten Aspekt des Yoga, über den ich bisher noch nie nachgedacht hatte.

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